Jedes Jahr gibt es einen Vers aus der Bibel, der über dem Jahr stehen soll: Die so genannte Jahreslosung. Der Vers für 2018 findet sich (fast) ganz am Ende, im vorletzten Kapitel des letzten Buches, der Offenbarung (oder, wissenschaftlich korrekt: Johannes-Apokalypse). Da sagt Gott:

Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst. (Offenbarung 21,6)

Eigentlich ein ganz einfacher Vers, oder? Gott gibt Durstigen zu trinken – und das umsonst. Dann aber kommen die Fragen: Wie kann das denn gehen? Gott ist im Himmel, wir auf der Erde. Ist Regen dann dieses göttliche Wasser? Und was, bitteschön, ist „lebendiges Wasser“ überhaupt? H2O angereichert mit Millionen Bakterien und Viren? Will man das dann überhaupt trinken, egal, wie viel Durst man hat? Vermutlich nicht. Da uns diese Fragen irgendwie nicht weiterhelfen, hilft wohl nur eine nicht allzu wörtliche Herangehensweise. 😉

Aber auch die lässt sich ja ganz systematisch bewerkstelligen. Der Vers enthält drei Begriffe, die wir klären sollten. Zunächst ist da die Quelle. Was genau ist damit gemeint? Dann haben wir das lebendige Wasser, das uns ja schon vor Probleme gestellt hat. Und zu guter Letzt, aber nicht weniger unwichtig, ist da der Durstige: Wer soll das sein?

Also ad 1: Die Quelle. In Psalm 36 lesen wir, dass bei Gott die Quelle des Lebens ist (Vers 10). Gott ist der, der Leben erschafft und Leben erhält. Und Leben – so viel Biologie-Grundwissen hab dann selbst ich noch – ist ohne Wasser nicht möglich. Damit sind wir auch schon bei Punkt 2, dem lebendigen Wasser. Lebendiges Wasser ist mitnichten eine Bakterien-Kloake. Nein, es ist frisches Wasser, das munter aus seiner Quelle heraussprudelt, es ist alles andere als tot – es ist quicklebendig. Und es ist ein lebensnotwendig, schließlich kommt ohne Wasser früher oder später der Tod.

Aber wer ist denn jetzt der Durstige? Oder die Durstige? Ich vermute, damit sind wir alle gemeint. Du. Ich. Dein Nachbar. Deine Freundin. Deine Oma. Dein Cousin zweiten Grades (falls deine Verwandtschaft so weitläufig ist). Dein Paketbote, deine Dozentin und dein S-Bahn-Fahrer. Alle halt. Jeder wünscht sich doch, zu leben. Und zwar echt zu leben, gut zu leben – eben wirklich lebendig zu sein. Die Frage ist nur: Was gibt mir gutes, echtes, wahres Leben? Oder wer? Gott sagt: „Ich.“ Er will und kann deinen Lebensdurst stillen. Und er macht das gerne – und umsonst. Nicht vergeblich, sondern gratis. In diesem Sinne: Prost! 😉